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Publikum hinter Mikro
LeseArt
Hier finden Sie die aktuellen Termine der LeseArt-Veranstaltungen im swb-Kundencenter.

LeseArt - Der literarische Treffpunkt im swb-Kundencenter Bremen

LESEArt veranstaltet Lesungen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Literatur. Das geschriebene Wort als Ausdruck von Kreativität fi ndet hier seinen Platz. In Autorenlesungen sowie in szenischen Lesungen werden Gegenwartsliteratur und Klassiker in Prosa und Lyrik vorgestellt. Aufgegriffen werden auch aktuelle Themen der kulturellen Einrichtungen der Stadt, wie Theater, Kunsthalle, Hochschule für Künste und Musik. Literatur in ihrer unendlichen Vielfalt erleben und genießen, fremde Texte auf sich einwirken lassen und anschließend miteinander ins Gespräch kommen.

Veranstaltung und Moderation:
Marion Heuer und Gisela Mües
kontakt: leseart@gmx.de

LeseArt-Veranstalterinnen Marion Heuer und Gisela Mües

Im swb-Kundencenter Bremen,
Sögestraße/Am Wall, 1.Etage,
28195 Bremen

4 Lesungen im ersten Halbjahr 2018, 19.00 Uhr:
Mittwoch 15. März,
Donnerstag 19. April,
Donnerstag 17. Mai und
Donnerstag 21. Juni

Mittwoch 15. März, 19Uhr
Thomas Mann - Frühe Erzählungen

Thomas Mann zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Sein vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden.
Neben seinen großen Romanen stehen die Erzählungen und Novellen gleichberechtigt, ihre formale Klarheit und sprachliche Präzision zeichnen sie ebenso aus wie ihr Humor und ihr psychologischer Scharfblick. Bereits der junge Thomas Mann hat die kurze Prosa als seine Form entdeckt und früh zur  Meisterschaft entwickelt. Über Jahrzehnte hinweg hat der Autor immer wieder Erzählungen und Novellen verfasst, die zu den wichtigsten dieses Genres gehören, darunter „Der kleine Herr Friedemann“ (1897).
 
Der Schauspieler Martin Baum vom Theater am Goetheplatz liest zwei Erzählungen/Novellen von Thomas Mann.

 

Donnerstag 19. April, 19 Uhr

„Ich war erst 33 Jahre auf diesem Planeten und tastete mich durch diese Gespenstershow“

Zum Werk von Rolf Dieter Brinkmann

Der Dichter, der diese Zeilen schrieb, Rolf Dieter Brinkmann, wurde am 16.April 1940 im norddeutschen Vechta geboren und starb am 23. April 1975, gerade fünfunddreißig geworden. Er, der durch gezielte Provokationen geübt war ins Gespräch zu kommen und dadurch die „älteren Herren der Literaturszene“ zu schockieren, hatte mit seinem Anfang 1975 erschienenen Gedichtband „Westwärts 1&2“ neue Impulse gesucht. Der Gedichtband wurde in London präsentiert; Brinkmann starb dort bei einem Verkehrsunfall - das Leben und der Tod des Dichters lieferten genug Stoff für die Legendenbildung. In seiner Lyrik ein genauer Beobachter der Alltäglichkeit, suchte er in seiner autobiographischen Prosa mit einer schonungslosen Offenheit gegen sich selbst nach den Wunden, die ihm und seiner Generation in der Nachkriegszeit Schnitte zufügten, aus denen er dann Kunst und Einzelbeobachtung präparierte. (…)“wie heiße Asche, die man in mich reinzuschütten versuchte, und den verkohlten Rest wollten sie mir als Leben verkaufen“, heißt es in einem seiner Texte. Das Bewusstsein, das mit „Bildern von gestern verstopft war“ wollte Brinkmann schon in seinen frühen Gedichten radikal poetisch hinterfragen: „Dann weiter/ wohin/ In das Verzauberte, die alte Metapher?“.
Brinkmann wurde Sprecher einer jungen Generation, ein wortgewaltiger Rebell, der ausgezogen war, den Orten des Schreckens und der totalen Kälte und Vereinsamung Bilder einer durch die Pop-Kultur beeinfl ußten Vereinfachung gegenüberzustellen: wie in dem Gedicht „Photographie“ - „Mitten /auf der Straße/ die Frau/ in dem/ Blauen/ Mantel“.

Die Literaturwissenschaftlerin Margrit Platt lebt und arbeitet in Bremen.

Donnerstag 17. Mai, 19 Uhr
Der verschlossene Raum/Selbstporträt mit Bienenschwarm

Beruhigend, dass Jan Wagner sich, nach allem, was man weiß, keiner dunklen Macht, sondern der Literatur verschrieben hat, denn die Verführungskraft seiner konzentrierten, eleganten Texte ist enorm. Ob er über Bibliotheken, Buchhandlungen, Lyrik oder Kunst schreibt, ob er literarische Postkarten aus Rom oder Los Angeles sendet oder die Epiphanie eines Rosmarin im schwäbischen Garten feiert - man glaubt diesem charmanten Geschichtenerzähler alles. Man hat kaum Zeit, die rhetorische Fingerfertigkeit zu bewundern, mit der da zwischen souveräner Gelehrsamkeit unerwartet die nächste Anekdote aus dem Ärmel gezogen wird, und kann nicht anders als staunen über die Fundstücke, die Jan Wagner von seinen Entdeckungsreisen quer durch die Epochen und Kontinente mitbringt. Jeder der Texte ist erleuchtet von einem ansteckenden Enthusiasmus für die Welt der Sprache. (Hanser Verlag 2017)

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. Für seine Lyrik wurde er vielfach ausgezeichnet. Mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2017 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.

Donnerstag 21. Juni, 19 Uhr
Günter Grass – Mein Jahrhundert

„Ich, ausgetauscht gegen mich, bin Jahr für Jahr dabeigewesen.“ Mit diesem Satz macht sich Günter Grass (1927-2015) auf seinen persönlichen Weg durch das 20. Jahrhundert, „sein“ Jahrhundert. Mit 100 kleinen Geschichten, für jedes Jahr eine, gelingt Grass ein besonderes Format für Geschichtsschreibung. Menschen aus allen Schichten, unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialer Herkunft und Berufen sowie politischen Gesinnungen gibt er (s)eine Stimme, und lässt sie Ereignisse ihres Lebens beschreiben. Die Berichte sind locker aneinandergereiht mit ständig wechselnden Perspektiven und literarischen Formen. Diese Schilderungen von unbekannten und anscheinend unbedeutenden Menschen, die nicht Geschichte schrieben, aber Geschichte erlebten und durchlitten, sind nicht nur mitreißend und informativ, sondern durch die überwältigende Erzählkunst des Nobelpreisträgers ein anschauliches Abenteuer. Überraschende Wendungen, humorvolle bis makabre Spiegelungen und liebevolle Teilnahme lassen die Leserschaft eintauchen in vergangene Zeiten, in denen sie anderen Menschen und manches Mal auch sich selbst begegnen dürfen.

Christine Holzner-Rabe, Kulturwissenschaftlerin, Dozentin für politisch-kulturelle Bildung.